Spannende Geschichten und pures Abenteuer dieses Vanlife? Naja, wir geben zu, wenn man sowieso viel Zeit hat, dann kann man auch mal gute Freunde in Ihrem kroatischen Urlaubsdomizil besuchen – und selber mal so richtig Urlaub machen. Vor allem wenn man in der Umgebung auch noch gut klettern kann. Direkt am Meer zum Beispiel. Oder hoch über dem Limski-Kanal. Oder über der Festungsruine von Dvigrad. Gesagt getan, wir rollten weiter in Richtung Istrien, nach Rovinj.

Ich bin ein großer Kroatien-Fan und war praktisch schon überall in diesem schönen Land zu Gast. Dass es zur „Hochsaison mittlerweile fast so touristisch überlaufen wie Mallorca“ sei, ist für mich kein Argument. Kroatien ist ein unglaublich vielseitiges und wunderschönes Land, das immer einen Besuch lohnt. In der Nebensaison bleiben die Touristenmassen fern und viele Orte hat man dann sogar noch ganz für sich allein.
Wir hatten Glück, landeten gerade noch in der Nebensaison und fanden auch spontan einen schönen und überraschend günstigen vier Sterne Campingplatz in Stadtnähe. Jaaaaaa ****-Camping! Mit Pool! (= Urlaub)

Rovinj

Naja, Stadtnähe… Etwas überambitioniert wählten wir den neun Kilometer langen Küstenweg ins Stadtzentrum. Bei sommerlichen Temperaturen mit wenig Schatten verging einem die Freude am türkisblauen Wasser doch schneller als gehofft! Doch dann tauchten die Kletterfelsen von Rovinj am Horizont auf. Direkt am Meer laden um die 80 Touren zum gemütlichen, leichten Beach-Climb. Zwar nicht das schönste Gebiet der Erde und teilweise auch mit weniger hübschen Graffitis verziert, aber hey, erwähnte ich schon, dass es direkt am Meer und auch noch in Laufweite liegt? Wir freuten uns sehr auf den kommenden Klettertag!

Unsere Odysee wurde dann mit einem wunderschönen Sonnenuntergang über Rovinj belohnt, den wir gemeinsam mit Axel, Dani, Nathalie und Kai genießen konnten. Natürlich wurde sich sofort für den nächsten Tag zum Klettern verabredet. Besonders schön für uns, da wir Kai und Nathalie schon eine Ewigkeit nicht mehr gesehen hatten.

Um nicht noch einmal Höllenqualen wegen der weiten Strecke erleiden zu müssen, taten wir es unseren Freunden gleich und mieteten einfach beim nahen Fahrradverleih zwei Räder mit schlechten Bremsen und furchtbar klebrigen Lenkern. Diese trugen uns – und den Rest der Bande – schließlich nach einem ausgiebigen Frühstück ruckzuck und mehr oder weniger zuverlässig an den Strand. Lediglich beim Versuch vom geliehenen Drahtesel abzusteigen gab es eine Verletzte zu beklagen, doch das kühlende Meer tat seinen Job und die lädierte Gliedmaße entschied sich schleunigst dafür zu heilen.

Als die Felsnachbarn schließlich aufgeregt berichten es sei gerade eine Gruppe Delfine nur 20 Meter vor der Küste vorbeigekommen, wurde der Spot offziell als „Kann man gerne nochmal hinfahren“ eingestuft.

Tja, wer von euch Kroatien-Kritikern hätte das gedacht? Delfine! Vor den Toren der Stadt! Ich finde das verdient ein Prädikat „Empfehlenswert“! Ebenso wie die Kletterleistung unseres guten Freunds Alex, der ganze sieben Go’s in seine ausgewählte Projektroute setzte und dann auch noch ein Abendessen für uns Alle springen lies. Danke Alex!

Dvigrad

Seit einer Schlangenbegegnung in einer Kletterroute in unserem letztjährigen Bosnien-Trip, bin ich was die gruseligen Würmlinge angeht panisch.

Die Straße zum Klettergebiet schlängelte sich seit etlichen Kilometern in steilen Serpentinen den Berg hinauf. Es war warm, es war steinig, es war Schlangenland!
Zur Ablenkung las ich mich im Topo schonmal in die heutigen Klettersektoren ein, wurde aber enttäuscht. „Super, alle Touren hier heißen irgendwas mit Schlangen“, sagte ich noch zu Chris und las ein paar der aufgelisteten Namen vor. In diesem Moment flog ein riesiger Greifvogel knapp oberhalb der Windschutzscheibe an uns  vorbei. In seinen Krallen eine Schlange die so groß war, dass sie bei jedem Flügelschlag des Vogels so stark ins Schwingen kam, dass dieser die Kontrolle über seine Flughöhe und -richtung verlor. Das sah er ausgerechnet in diesem Moment ein und ließ das fette, schwarze, aber ziemlich tote Riesenteil mit einem lauten „flaaaaatsch“ direkt vor unser Auto knallen. Das konnte ja heiter werden.

Kurzerhand wurde der Clipstick ausgefahren und damit der zugewachsenen Pfad zum Felsen entlang abgetastet. Es raschelte manchmal doch zu sehen war nichts. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich dankbar Platten klettern zu dürfen – dort konnten sich die Biester schlecht verstecken und ich würde sie schon Meter vorher entdecken. Da war es schon fast nicht mehr störend, dass die meisten Umlenker schon deutlich bessere Tage gesehen hatten und wir den ein oder anderen Opferkarabiner neben die verrosteten Kettenglieder und wackeligen Bohrhaken hängen mussten. Das ist wirklich schade, denn die Touren an sich waren allesamt superschön!

Auf der Suche nach mehr Platten machten wir uns auf in den letzten Sektor. Typisch Gentlemen ging Chris mit dem Clipsticktaster voran und schrie auf einmal „Woooooh, zurück, ZURÜCK“ Fette Schlange voraus. Die flüchtete in einem Affenzahn vor uns, aber blöderweise genau dahin wohin wir gehen wollten. Uns blieb nur Eines: Rückzug. Und zwar trampelnd und singend – wir hatten gehört das hilft beim Vertreiben. Nicht einmal zum Pinkeln hätte ich mich noch neben den Weg getraut. Sorry Dvigrad, ich komm nicht wieder. Ich habe heute noch nicht mal ein Foto für dich.

Limski Kanal

Weil wir an diesem Tag ja noch nicht genug erlebt hatten, rollten wir einfach direkt weiter an den Limskikanal. Der Parkplatz zum ersten Sektor ist direkt neben der Straße gelegen und der Zustieg ein Katzensprung. So einfach wollten wir es uns natürlich nicht machen.

Es war 17:30 Uhr und wir wählten den am weitesten entfernten und am schwierigsten zu findenden Sektor (D – Šimije). Gesucht haben wir diesen so ca. eine Stunde … Nach diesem frustrierenden Dämpfer wurden wir mit einem traumhaften Ausblick belohnt! Auch wenn ich wirklich gewaltig die Schnauze voll hatte und lediglich Chris eine Tour geklettert ist, sahen die Routen wirklich erste Sahne aus! Wir empfehlen aber dringend, nicht bis zum im Topo angegebenen Parkplatz vorzufahren, sondern direkt bei der alten Kirche zu parken.

So und nun hieß es endlich Abschied zu nehmen vom bequemen Campingplatz-Dasein und den netten Urlaubsgeschichten. Nach den ersten zwei Stops Slowenien und Kroatien ging es für uns weiter zu einem der Jahreshighlights: Bosnien! Und hier wartete dann zum ersten Mal wirklich das richtige „Vanlife“ auf uns. No shower, no toilet, just adventures? Stay tuned!