Chulilla – unser zweites Zuhause. Kein anderes Klettergebiet hat es geschafft uns in diesem Jahr so in seinen Bann zu ziehen wie das spanische Klettergebiet rund um das kleine Dorf Chulilla unweit von Valencia. Obwohl „klein“ in Bezug auf das Klettergebiet selbst ein wenig untertrieben scheint, gibt es zur Zeit doch weit über 1000 Touren in und um die vom Fluss Turia geformte Schlucht zu entdecken. Zum einen liegt es wohl an der wunderschönen langen Kletterei an meist vertikalen Kalksteinwänden, zum anderen sicher an den vielen tollen Menschen die wir in unseren (zusammengezählt) fast drei Monaten hier haben kennenlernen dürfen. Ob aus England, Frankreich, Irael, Kanada, den USA, Deutschland, Polen, der Schweiz, Spanien, Österreich, Japan, Dänemark oder Schweden – soviele wunderbare Leute haben wir noch nirgends getroffen. Aber jetzt mal den ganzen Sentimentalismus beiseite. Das hier soll ja schließlich auch nützliche Informationen für alle Interessierten bieten.

Wie oben schon beschrieben befindet sich das kleine spanische Dorf und das gleichnamige Klettergebiet ca. eine Stunde Autofahrt von Valencia und dessen Flughafen entfernt.
Geklettert wurde hier bereits ab 1981. Bis 1989 war das Gebiet auch für die damalige Zeit recht populär, doch mit dem Anfang der 90er Jahre schlief Chulilla wieder ein und war nurnoch von lokaler Bedeutung. 2006 fing eine Gruppe aus Valencia um Nuria Marti und Pedro Pons an, neue Sektoren zu erschließen und dem Klettern in Chulilla wieder Leben einzuhauchen. Der Plan ging auf und ab 2010 kamen immer mehr Besucher aus dem In- und Ausland in das kleine Dorf. Dank des Baus von zwei Hängebrücken 2012 und dem damit deutlich erleichterten Zustieg zu den (unserer Meinung nach) besten Sektoren am Rande des Stausees ging es hier dann wieder so richtig los.

Das wunderschöne Tal beim Stausee
Der Heimweg aus dem Sektor Oasis...

Kletterei:
Die Kletterei findet an meist senkrechten und bis zu 70 Meter langen Traumlinien in Kalkstein statt und eigentlich findet man in fast jeder Route zumindest einen Sinter. In manchen Sektoren wie z.B. Chorreras wachsen diese sogar bis zum Boden und man kann sich ewig lange Full-Body-Karate-Sintertouren hochpinchen und ägyptern. Für meine unterentwickelten Ärmchen eine ganzschön frustrierende Aufgabe doch zum Glück gibt es auch genug Routen in denen Leisten festhalten und gut stehen zum Erfolg führen. Ein wenig Strom sollte man allerdings schon mitbringen, denn richtig Spaß hat man ab 7a aufwärts. Aber auch wenn man sich im französischen 6ten Grad wohlfühlt gibt es noch einiges zu tun hier, jedoch wird die Auswahl an Sektoren dann ein wenig kleiner. Aber für einen dreiwöchigen Trip reicht es lange.
Neben den zahlreichen und lohnenswerten direkt um das Dorf gelegenen Sektoren, sind vor allem die etwas weiter entfernten Sektoren in der Nähe des Pantano Loriguilla ein absolutes Highlight. Ich wage sogar zu behaupten: Hat man diese Sektoren nicht besucht, hat man Chulilla nicht besucht. In der wunderschönen Schlucht ragen die Wände zu beiden Seiten des Flusses empor und man kann sich, je nach Temperatur und Wetter, für die Sonnenseite mit den Sektoren Nanopark, Naranjito und Cañaveral, oder für die Schattenseite mit Sektoren wie Oasis,  Balconcito, Pared blanca, Balcón oder Chorreras entscheiden. Ein kleiner Tipp: Sollte es recht frisch sein und Nordwind wehen, empfiehlt es sich in einen Sonnensektor auszuweichen, denn dann kann es im Schatten schon ordentlich zapfig werden.
Die Sektoren Oasis und Chorreras zählen zu den beliebtesten Sektoren und es kann passieren dass man an vollen Tagen Nummern bei den Klassikern ziehen muss. Dementsprechend findet man dort auch ein wenig mehr Patina als in den anderen Ecken, aber richtig störend haben wir es nicht empfunden.
Nachdem viele der Touren an oder über der 40 m Marke kratzen lohnt es sich ein 80 m Seil einzupacken um auf der sicheren Seite zu sein. Im Zweifelsfall lieber zu lang als zu kurz und an Exen sollte man auch nicht sparen – 15+ lohnen sich auf jeden Fall.
Will man das Auto für den Aufenthalt in Chulilla stehen lassen, so kann man fast alle Gebiete recht bequem zu Fuß erreichen. Von der Ortsmitte bis nach Oasis sollten dann aber ca. 50 Minuten eingeplant werden, dafür wird man aber mit einem tollen Ausblick und zwei Hängebrücken über den Fluss belohnt.

Routenempfehlungen:
Plan Z dos – 7a // Oasis
Periclónica – 7a // Monte de Venus
Gofio Askatu – 7b+ // Nanopark
Daños Colaterales – 7b+ // Oasis
Les braves patates – 7b+ // Pesadilla
Primerisimas.nu – 7c // Nanopark
Ñapas Dead – 8a+ // Algarobbo

Absicherung:
Die Absicherung in Chulilla ist unserer Erfahrung nach durchgehend gut. Meistens stecken entweder Spreizdübel mit Lasche oder Verbundhaken in der Wand. Aufgrund der teilweise gigantischen Routenlängen kann der Abstand nach oben hin aber ab und zu schon etwas weiter werden und man kann sich voll aufs klettern statt aufs clippen konzentrieren… 😉 Die Haken sind aber trotzdem mit Hirn gebohrt und an sinnvollen Stellen gesetzt.

Beste Jahreszeit:
Die beste Jahreszeit um in Chulilla Spaß zu haben ist zwischen Oktober und Anfang Mai. In allen anderen Monaten ist es schlichtweg zu heiß. Es gibt zwar prinzipiell ein paar wenige Sektoren in denen auch im Sommer geklettert werden kann, aber gibt es definitiv bessere Gebiete für die heiße Jahreszeit.

Paul in hält sich im Sektor

Einkaufen:
Im Dorf findet man eigentlich alles was man zum täglichen Leben braucht: neben einigen kleinen Supermärkten und Bäckereien findet man auch eine Metzgerei, eine Apotheke (sehr schlecht sortiert, die im Nachbarort ist deutlich besser), eine Drogerie, mehrere Bars, einen kleinen Kletterladen, einen Tabakladen und ein Tourismusbüro. Donnerstags ist Markttag auf dem Dorfplatz. Ein Trinkwasserbrunnen findet sich sowohl neben der Bar Goscanos als auch auf dem Marktplatz. Geld abheben ist im nächsten Ort Losa del Obispo möglich und im ca. 15 km entfernten Villar del Arzobispo gibt es einen größeren Consum-Supermarkt.

Ausblick von der Terrasse des
Das Dorf mit der es überragenden Burgruine

Unterkunft:
Gab es vor einigen Jahren nur ein paar wenige Unterkünfte, so gibt es dank der steigenden Popularität nun eine große Auswahl an selbigen. Neben dem wunderschönen Kletterer-Hostel El Altico, welches von den beiden super netten Locals Pedro und Nuria betrieben wird und als eines der Schönsten in ganz Spanien gilt, gibt es noch viele weitere Unterkünfte. Von Ferienwohnungen über Bed&Breakfast lässt sich, zeitige Buchung vorausgesetzt, eigentlich in jeder Preisklasse etwas Passendes finden.
Es gibt leider keinen Zeltplatz, jedoch kann man im El Altico auch mit dem Zelt oder im eigenen Van übernachten und den wunderschönen Ausblick über Chulilla genießen.

Kletterführer:
Zur Zeit gibt es für Chulilla zwei Kletterführer in Buchform und einen umfassenden freien Online-Topo. Der von Pedro Pons herausgegebene lokale Kletterführer ist im Januar 2018 neu erschienen und beinhaltet alle aktuellen Routen und Sektoren in Chulilla. Die Erlöse des Verkaufs kommen direkt dem Erschließen und Sanieren von Touren zugute. Diesen Topo gibt es sowohl im Tabakladen, der Bar am Marktplatz oder direkt vom Autor im El Altico zu kaufen.
2017 wurde zeitgleich zum lokalen Führer ein weiterer Kletterführer von Miha Popovic herausgegeben. Um die Enstehung des Führers gibt es in Chulilla ein paar unterschiedliche Meinungen auf die ich hier nicht näher eingehen will. Der Topo ist aber auch recht gut gemacht und enthält neben den Topos auch ein paar Infos zur lokalen Infrastruktur.
On top gibt es noch das Webportal climbmaps auf dem ihr neben Chulilla auch weitere Gebiete kostenfrei zur Ansicht findet.

Solltet Ihr noch irgendwelche Fragen haben dann postet sie gerne in die Kommentare 🙂