Die Bedingungen hätten kaum schlechter sein können. Mit nur vier Stunden Schlaf und geweckt von trommelnden Regentropfen in Kombination mit LKW-Lärm, fuhren wir am frühen Mittwoch morgen hinauf zur Aualm unterhalb der Arlspitze.
Ziel war die Plaisirtour „Für Rosi“ V+. Meine Erste im Ansatz „alpin-angehauchte“ Mehrseillängentour.

Vorteil: Gebohrte Stände, ansatzweise akzeptable Hakenabstände, mit ca. 140 Klettermetern nicht allzu lang und mit „extrem schnell trocknend“ im Topo vermerkt.
Letzteres war Gott sei Dank bei Ankunft am Einstieg nicht einmal mehr nötig, denn kaum aus dem Autolein ausgestiegen verzogen sich die Wolken und ein strahlend blauer Himmel begrüßte uns auf unserem Weg nach oben.

Plaisir beginnt ja bekanntermaßen am Zustieg. Dieser war super einfach zu finden, lies sich unbeschwert gehen und das Ziel hatte man auch noch die gesamte Zeit vor Augen. Als stinkfauler, mental schwacher Sportkletterer und Traditions-Meckerer fällt es mir da schon wirklich schwer einen geeigneten Nörgelgrund zu finden.

So schlängelten wir uns also eine Stunde später auf dem steilen Grasband Richtung Einstieg.
Die Rucksäcke sind bereits am Wandfuß deponiert worden und am Gurt baumelten eine Handvoll Exen, ein Set Keile und so ziemlich alles an langen Bandschlingen was wir finden konnten.

Und los geht’s!
Chris genießt die erste Seillänge und findet nach kurzer Irritation auch den Stand – der doch erstaunliche 50 Meter auf sich warten ließ. Mit einem kleinem Überhang gleich zu Beginn, gefolgt von genüßlichem Steigen, einer luftigen Wulst-Verschneidung und ein paar Plattenstellen kann ich mich im Nachstieg schon einmal warmlaufen.

Seillänge Nummer Zwei ist dann Meine. Bisschen flau ist mir schon, als die Kletterei plötzlich horizontal verläuft und nicht wie gewohnt in der Vertikalen. Zudem kann man auf einmal ja nicht nur nach hinten unten, sondern auch nach links, rechts und sogar vorne runter fallen. Schön, dass sich Felsköpfe so schön mit Schlingen sichern lassen, denn Haken kann ich erstmal keine entdecken. Blöd nur, dass die Seilreibung jetzt schon ganz schön hoch ist und der Stand noch lange nicht in Sicht ist. Der Rucksack hingegen wird witzigerweise umso leichter, desto weiter der nächste Haken entfernt ist. Adrenalin ist schon was Komisches.

Die Crux ist dann aber vertikal und gut mit zwei Bohrhaken abgesichert, dafür aber extrem brüchig. Wenn man alles rausgezogen hat was einem als geeigneter Tritt oder Griff erscheint, muss man dann halt nehmen was übrig bleibt. Langsam macht das Ganze Spaß! Und das obwohl ich wegen der Seilreibung kaum vorankomme. Nach 45 Metern ist das Erlebnis aber auch schon wieder vorbei und der Freund wird wie aus dem Lehrbuch nachgesichert.

Die letzte Seillänge startet über einen traumhaften Pfeiler mit bombenfesten Gestein und endet leider etwas unschön im Gemüse. Die letzten Meter werden noch überwunden, dann wird gemütlich auf der Südseite abgewandert.

Vorbei an den Touris und Familienbanden, das Seil auf dem Rücken.
Ein Vater sagt im Vorbeigehen zum Sohnemann: „Da schau her, ein Bergsteiger“

Hach, was für ein schöner Tag für einen Sportkletterer 🙂

Wer genauere Infos zur Tour haben will, kann uns gerne schreiben oder im „Best of Genuss – Salzburg & Berchtesgadener Land“-Topo vom Panico Alpinverlag nachschlagen.