Nachdem nun der Küchenblock, das Bett und der Stauraum vorhanden waren, fehlte nur noch die Sitzgelegenheit und ein Tisch um den TÜV davon zu überzeugen, dass unser Auto nun ein waschechtes Wohnmobil geworden war.

Die Sitzbank
Die Bank besteht, wie auch der Küchenblock, aus einem Kantholzrahmen welcher mit Pappelsperrholz verkleidet ist. Um den Stauraum sinnvoll nutzen zu können befindet sich in der Bank die komplette Elektronik (dazu später mehr). Zugänglich bleibt das Ganze durch die zweigeteilte, klappbare Sitzfläche. Damit wir nicht auf dem blanken Holz sitzen müssen, hat Viola uns zwei schöne Sitzkissen genäht. Die Nähanleitung dafür findet ihr in der folgenden Bildergalerie oder ihr könnt sie euch hier als PDF herunterladen. Auch als absoluter Nähanfänger/in kann man sich bedenkenlos an die Kissen heranwagen.

Da man doch des Öfteren mit den Füßen, mit Rucksäcken oder anderem Kram an der Sitzbank entlang „schrammt“ und dann unschöne Flecken und Kratzer im Holz entstehen, habe ich vorne auf Fußhöhe ein Alu-Blech angebracht und auch die linke vordere Kante mit einer Aluleiste versehen. So werden die Kanten und Flächen geschützt und der untere Bankbereich lässt sich leicht reinigen. Beides habe ich einfach mit Pattex Kraftkleber festgeklebt und bis jetzt (1,5 Jahre) hält das Bestens. Die Rückenlehne besteht ebenfalls aus einer Pappelsperrholz-Platte. Das zugehörige Rückenpolster wurde genauso genäht wie die beiden Sitzkissen und wird einfach mit Klettstreifen an der Sitzbank befestigt.
Auf der linken Außenseite der Sitzbank befinden sich neben drei 12 Volt Steckdosen und zwei USB-Dosen auch noch ein Multigaswarner und ein Sinus-Wechselrichter.

Die Sitzbank frontal betrachtet
Die Anschlüsse in der Sitzbank
Tisch und Bank in Gebrauch

Der Tisch
Die Tischkonstruktion ist (wie alles im Auto) sehr simpel gehalten: eine geölte Leimholzplatte wird mit zwei Stahlwinkeln in eine an der Trennwand befindliche Leiste mit entsprechenden Aussparungen für die Winkel eingehängt. Leider ist das auf dem Bild schlecht zu erkennen aber es sollte recht selbsterklärend sein 🙂 Nun braucht es natürlich noch ein Tischbein auf der Gegenseite sonst wird das mit dem gemütlichen Essen nichts. Das Bein an sich ist ein 54 mm quadratischer Holzbalken welcher mit einem selbstarretierbaren Klappscharnier an der Tischplatte befestigt ist. Die gleichen Scharniere habe ich auch für die klappbare Küchenerweiterung verwendet. Direkt vom Wohnmobilfachhandel sind diese sündhaft teuer, schaut man hingegen auf eBay wird man für einen Bruchteil der Kosten fündig. Es lohnt also definitiv ein Blick in die Bucht 🙂 Durch das klappbare Tischbein lässt sich der Tisch einfach und platzsparend hinter dem Fahrersitz verstauen und wenigen Sekunden auf- und abbauen. Der Tisch steht äußerst stabil und hält Belastungen wie Küchenarbeiten (Gemüse schneiden, Wassertöpfe, Einkäufe umladen) und dem Aufstützen beim gemütlichen Beisammensitzen problemlos stand. Mittlerweile lassen wir ihn selbst auf Buckelpisten aufgebaut und er bewegt sich während der Fahrt keinen Millimeter.

Nahaufnahme der Tischaufhängung
Das Klappscharnier des Tischbeins
Voller Tisch

Die Elektrik
Bei der Elektrik hatte ich zum Glück Hilfe von meinem in diesem Bereich ausgebildeten Cousin, denn als absoluter Laie in der Welt der Watts und Volts war mir das Thema doch ein wenig heikel. Die komplette Elektrik ist auf 12 V angelegt. Auf einen externen Stromanschluss habe ich verzichtet, da mir meine auf dem Dach installierten Solarpaneele genug Strom für alle meine Verbraucher liefern. Stromquelle sind zwei 100 Watt Solarzellen, die über einen Solarladeregler den 200 Ampere Bleigel Akku speisen. Ich habe das komplette Kit (Solarzellen, Befestigungsschienen, Solarladeregler, Kabel zum Anschluss der Solarzellen, Dachdurchführung, Akku, Kleber) über die Firma offgrittech bezogen und war mit dem netten und kompetenten Kontakt sehr zufrieden. Es gibt in den Weiten des Netzes aber noch unzählige weitere Händler die exakt die gleichen Produkte anbieten. Die Befestigungsschienen der Paneele werden einfach mit Sikaflex mit dem Fahrzeugdach verklebt und mit den Solarzellen verschraubt. So muss man nicht durch das Dach bohren und hat weniger kritische Stellen in denen Wasser in das Innere des Autos gelangen kann. Einzig die Kabeldurchführung verlangt ein Loch im Dach – klar, ganz ohne Kabel geht es dann doch nicht 😉

Blick auf das Autodach mit den beiden Solarmodulen
Gaswarner, Rauchmelder, Verteiler, Steckdosen, Sicherungen – Alles muss rein
12-Volt Anschlüsse und USB-Steckdosen für direkt neben dem Bett

Als Verbraucher sind folgende Teile verbaut:
– Vier 12 V Steckdosen
– Vier USB Steckdosen
– Ein Multigaswarner
– Ein 350 Watt Wechselrichter
– Vier Led-Lichter (über dem Küchenblock, über dem Esstisch, links und rechts neben dem Bett)
– Eine Kühlbox (Waeco CF 26)
– Eine Wasserpumpe für die Spüle
– Der Ventilator der Dieselstandheizung + dessen Controller
– Der Solarladeregler

Alle verbauten Kabel wurden in Blindrohren durch die Holme des Autos verlegt, damit die Leitungen an sich bestens geschützt sind.

Jeder einzelne Verbraucher ist über eine eigene Sicherung mit dem Solarladeregler verbunden. Das hat den Vorteil, dass ich mit einem Knopfdruck auf den Laderegler alle Verbraucher an- oder ausschalten kann. Ebenso lässt sich hierdurch der Stromverbrauch einfach ablesen. Ausnahmen sind der Wechselrichter, der Gaswarner und die Standheizung. Diese sind mit einer eigenen vorgeschalteten Sicherung direkt an die Batterie angeschlossen. Das ganze Setup unter der Bank schaut final aus wie auf folgendem Bild erkennbar. Die Batterie wird mit Spanngurten verzurrt und hat somit eine ähnliche Befestigung wie die Wassertanks unter der Küchenzeile bekommen. Eine 70 kg Batterie hat keiner so gerne rumfliegen…

Die fertig verkabelte Batterie unter der Sitzbank

Wir haben eigentlich immer entweder den Kamera-Akku oder ein Handy/Tablet/Laptop am Strom hängen und auch der Kühlschrank läuft 24/7, aber selbst in Spanien wo er wirklich fast durchkühlen muss, kommt der Akku nicht einmal annähernd an seine Grenzen.
Das war es eigentlich von meiner Seite zur Elektrik, solltet ihr irgendwelche spezifischen Fragen haben, so schreibt sie gerne in die Kommentare, ich versuche sie dann so gut wie möglich zu beantworten 🙂